Ausgabe Dezember 2000

Lockerungsübungen in Pjöngjang

Seit dem historischen Gipfel zwischen den beiden koreanischen Staatsführern Kim Dae-jung und Kim Jong-il sind nur wenige Monate vergangen und schon scheint kaum mehr etwas wie zuvor. Ende Juni trat der Norden dem Asean Regional Forum bei und eröffnete damit erstmals Chancen für einen multilateralen regionalen Sicherheitsdialog, der über die 1999 ins Stocken geratenen Vier-Parteiengespräche zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea, der Republik Korea, der VR China und den USA hinausreicht. Danach ließ sich Pjöngjang auf Gespräche über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit zahlreichen, darunter auch europäischen Staaten ein. Zwischen den beiden Koreas kam es zu ersten Versuchen, die vollmundige Agenda des Gipfels in die Tat umzusetzen. 100 Familienangehörige aus Nord und Süd trafen sich Mitte August ("Woche der Versöhnung"), hohe Militärvertreter beider Seiten Anfang Oktober.

Schließlich reiste Jo Myong Rok, der zweite Mann in der nordkoreanische Militärhierarchie nach Washington. Madeleine Albright erwiderte den ersten hochrangigen Besuch seit Kriegsende kaum eine Woche später. Die Abschottung des einstigen Schurkenstaates Nordkorea, ja dessen gesamte Staatsideologie Chuch'e, die auf nationale Autarkie setzt, scheint in Auflösung begriffen. Der Schein trügt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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