Ausgabe Januar 2000

Allmachtsphantasien der Weltbanker.

Bilanz einer Dekade der Armutsbekämpfung

Der 1990 veröffentlichte Weltentwicklungsbericht der Weltbank zum Thema Armut sollte eine neue Etappe in der internationalen Entwicklungspolitik einleiten. In Abkehr von einer rigiden, allein auf die Automatik der Marktprozesse vertrauenden Strukturanpassungspolitik der 80er Jahre ("getting the prices right") sollten die internationalen Entwicklungsagenturen in den 90ern ein "menschliches Antlitz" zeigen. Armutsbekämpfung sollte in den Mittelpunkt der entwicklungspolitischen Bemühungen rücken. Wachstumsförderung allein, so hatte man erkannt, führt keineswegs automatisch zu einer Verbesserung der sozialen Lage der Bevölkerung. Notwendig seien neben ausreichenden wirtschaftlichen Wachstumsraten zusätzlich gezielte Maßnahmen im Interesse der Armen und eine sozial orientierte Umverteilungspolitik. In der Praxis führte das aber keineswegs zu einer grundlegenden Veränderung der Stukturanpassungspolitik von Internationalem Währungsfonds und Weltbank. Diese blieben weiterhin bei ihrem Einheitsrezept von Austeritätspolitik, Privatisierung und Liberalisierung - obwohl klar war und ist, daß dies teilweise katastrophale soziale Auswirkungen hat. Es wurden lediglich zusätzliche Sozialprogramme aufgelegt, die aber nicht selten an den Kernproblemen vorbeigingen. So hat die Weltbank z.B.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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