Ausgabe Juli 2000

Deutsche Kriegsverbrechen vor Gericht

Der 10. Juni ist für die Bewohner des französischen Oradour, des tschechischen Lidice und des griechischen Distomo ein Tag traurigen Gedenkens. An diesem Tag wurden die Ortschaften von der Deutschen Wehrmacht und der SS überfallen, zerstört und ihre Einwohner auf grausamste Weise niedergemacht. 1942 in Lidice, 1944 in Oradour und Distomo. An Lidice und Oradour wird als Kainsmal der SS und Wehrmacht erinnert - aber Distomo? Nicht einmal die Wehrmachtsausstellung kannte diesen Ort. Und so steht dieser Name als Chiffre für die zahllosen weiteren Orte nicht nur in Griechenland, sondern auf dem Balkan und in der damaligen Sowjetunion, die das gleiche Schicksal ereilte wie Lidice und Oradour. Was sie eint, ist das Verbrechen der deutschen Besatzungstruppen und das Vergessen der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Die Geschichte ist kurz, grausam und abstoßend. In der Version des Gefechtsberichts der 2. Kompanie des SS-Polizei-Panzergrenadier-Regiments 7 wurde aus dem Ort Distomo mit Granatwerfern, MGs und Gewehren auf die Soldaten geschossen. "Ich habe daraufhin", fährt der Bericht des Kompaniechefs Fritz Lautenbach fort, "die Feuereröffnung und den Angriff mit allen zur Verfügung stehenden Waffen auf Distomo befohlen. Nachdem das Dorf gesäubert war, wurden insgesamt 250 bis 300 tote Bandenangehörige und Bandenverdächtige gezählt".

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Kampf um Lebensraum

von Hans-Gerhard Marian, Michael Müller

Wie nie zuvor steht der Umwelt- und Naturschutz im Zentrum der öffentlichen Debatte. Zugleich aber sind wir Zeugen einer gewaltigen Verdrängung. Deren Ursache liegt nicht zuletzt im Erstarken einer reaktionären Gegenbewegung. Rechte Klimawandelleugner verbreiten das Gift der Lügen und finden damit einen erstaunlichen Resonanzboden.

Rechter Terror oder: Die doppelte Vertuschung

von Thomas Moser

Wenn nun, nach der Ermordung des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke, von einer „neuen Qualität des rechten Terrors“ die Rede ist, dann handelt es sich dabei um eine gefährliche Begrifflichkeit. Denn sie verharmlost die „alte Qualität“ des rechten Terrors.

Vorbild Stauffenberg?

von Klaus Naumann

Im Rahmen der hitzigen Diskussionen über seine soeben erschienene Stauffenberg-Biographie wartete Thomas Karlauf[1] mit einer Pointe auf, die es in sich hat. Der Graf, so Karlauf, gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“.