Es hatte so hoffnungsvoll angefangen. In ihrer Koalitionsvereinbarung vereinbarten die Fraktionen der rot-grünen Bundesregierung 1998 die Einrichtung einer Bundesstiftung "Entschädigung für NSZwangsarbeit" unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft. Die Umsetzung dieses Projektes ist seither an eine Selbsthilfegruppe der deutschen Wirtschaft unter dem klangvollen Titel Stiftungsinitiative "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" delegiert. Diese Initiative glaubte ursprünglich, die Entsorgung ihrer Geschichte für zwei Milliarden Mark einkaufen zu können. Die Überlebenden sollten davon gerade einmal die Hälfte bekommen, mit der anderen wollte man Zukunftsprojekte finanzieren. Ganz so günstig war der Ablaß denn doch nicht zu haben. Auf einem mit beträchtlichem Aufwand inszenierten PR-Event am 17. Dezember 1999 wurde das amtliche Endergebnis des einjährigen Ringens um die späte Kompensation der ehemaligen Sklaven bekannt gegeben: Zehn Milliarden Mark, je zur Hälfte aufgebracht von Wirtschaft und öffentlicher Hand, sollen eine zukünftige Bundesstiftung speisen.
Vor 250 Jahren wurde die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedet. Sie läutete, mehr noch als die Französische Revolution, die Epoche der neuzeitlichen Demokratie ein, die auf individuellen Menschenrechten und politischem Pluralismus beruht.