"Schon seit langem suche ich verlässliche Studien darüber, dass die Todesstrafe abschreckend wirkt. Ich habe noch nichts dergleichen gefunden". So Janet Reno im Januar 2000. Reno ist amerikanische Justizministerin. Ihr Chef hat vor vier Jahren ein "Gesetz zur Effektivierung" der Todesstrafe durchgesetzt, um Berufungsverfahren zu beschleunigen. Ob Reno wenigstens bei Kabinettssitzungen Zweifel angemeldet hat, ist nicht bekannt. Öffentlich interveniert hat sie jedenfalls nicht. Und wie könnte sie auch: Clinton ist ein engagierter Verfechter der Todesstrafe; in der Bibel stehe nichts dagegen. Als Gouverneur von Arkansas unterzeichnete er mehrere Hinrichtungsbefehle, darunter einen für den geistig schwer behinderten Rickey Ray Rector. Im Jahr 2000 stellen die USA sicher wieder einen neuen Hinrichtungsrekord auf. 1999 waren 98 Menschen von Staats wegen getötet worden, mehr als jemals zuvor seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976. Allein im Januar 2000 wurden zwölf Menschen hingerichtet, darunter drei zur Tatzeit erst 17-jährige Mörder. Nach Einschätzung des renommierten Todesstrafeninformationszentrums in Washington könnte die Zahl der Hinrichtungen dieses Jahr 150 erreichen. Das geschieht freilich nicht wegen zunehmender Blutrünstigkeit des amerikanischen Volkes; die Termine diktiert die Justiz, und die kommt schon jetzt nicht mehr nach.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.