Ausgabe September 2000

Milosevic oder Kostunica

Drei Kilo pro Haushalt monatlich - so viel Zucker erhalten die Bewohner von Pozarevac seit Mitte August. Eine Rationierung von Speiseöl ist ebenfalls angekündigt. Eigentlich ist die Landwirtschaft die Stärke jener Region Serbiens, in der die Kleinstadt liegt. Trotz aller Kriegsverwerfungen funktionierte die Nahrungsmittelversorgung in den letzten zehn Jahren, denn die Landwirtschaft zeigte sich zäh. Allerdings geht den Bauern Serbiens allmählich die Luft aus, so auch in Pozarevac. Kein Geld für Diesel und für Saatgut, die Dürre schaffte den Rest. Das Besondere an Pozarevac ist jedoch, dass die "Familie" von dort stammt. Die "Familie" - das weiß jeder in Serbien - bedeutet Präsident Slobodan Milosevic und seine Gattin Mirjana Markovic. Ihr Sprössling Marko betreibt neuerdings auf der "Hauptstrasse" von Pozarevac eine Feinbäckerei. Er musste umsatteln, denn seinen anderen Geschäften in der Stadt - "Madonna", der "größten Diskothek des Balkan", sowie "Bambiland", dem "größten Freizeitpark des Balkan" - geht es schlecht. Nur sporadisch sind sie noch geöffnet, die Serben haben kein Geld für das Vergnügen. Und jetzt auch immer weniger Zucker für den türkischen Kaffee.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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