Ausgabe April 2001

Genom global

Gleich zweimal wurde in den vergangenen Monaten auf internationaler Bühne die "Entschlüsselung" des menschlichen Genoms als historisches Ereignis inszeniert: im Juni 2000 (Fertigstellung der "Arbeitsversion") und im Februar 2001 (Veröffentlichung der Genomdaten). Wohl kein wissenschaftliches Ereignis hat nach der Mondlandung 1969, mit der das Humangenomprojekt (HGP) vielfach verglichen wird, eine solche globale öffentliche und mediale Aufmerksamkeit gefunden - und ist zugleich mit so gemischten Gefühlen ob der gesellschaftlichen Chancen und Risiken aufgenommen worden. Gebannt folgte die Weltöffentlichkeit der "Landung auf dem Planeten Genom" (so eine Schlagzeile in der "Süddeutschen Zeitung"), die als Wettlauf dargestellt wird zwischen "den Guten", dem öffentlichen HGP, und "dem Feind" Craig Venter und seiner Firma Celera Genomics. Jedoch unterschlägt diese Lesart, dass auch das HGP selbst trotz der beträchtlichen internationalen Kooperation - von vielschichtigen Konkurrenzbeziehungen vorangetrieben und geprägt wird. Wesentliche Ursache hierfür ist ein grundlegender Wandel im Verhältnis zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik, der das HGP als erstes Großforschungsprojekt der Biologie begleitet.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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