Ausgabe Dezember 2001

Die Neudefinition der Sicherheit

Die einzigartig monströse Qualität der Angriffe vom 11. September kann man sich mit Blick auf den Umstand klarmachen, daß wohl noch niemals außerhalb des Kontextes erklärter zwischenstaatlicher Kriege durch einen einzigen Akt organisierten Aggressionshandelns von Zivilpersonen so viele Menschen gleichzeitig ums Leben gebracht worden sind wie bei den Ereignissen in New York und Washington. Es erscheint heute nicht allzu riskant, diese Ereignisse als eine zeitgeschichtliche, innen- und außenpolitisch gleichermaßen folgenreiche Zäsur zu betrachten und sie in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit den Ereignissen vom November 1989 zu stellen. Ganz schematisch könnte man sagen: Am 9.11.1989 hat der Westen seinen Feind verloren. Am 11.9.2001 hat er einen anderen Feind wiedergefunden. Einzigartig ist auch die Tatsache der Koinzidenz von Massenmord und kollektiver instrumenteller Selbsttötung von (bis zu) 19 Personen.

Die Frage ist, welcher Verbund von Motivlagen und Organisationsstrukturen dafür verantwortlich ist, daß die menschliche Selbsttötungshemmung im Dienste nicht nur eines expressiven Akts religiösen Wahns, sondern im Dienste eines zielgerichtet koordinierten Plans ausgeklinkt worden ist.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Iran: Das geopolitische Erdbeben

von Franziska Fluhr

Noch im Januar beherrschte der USA-Iran-Konflikt die Überschriften der internationalen Berichterstattung. Nun aber ist der Konflikt durch die Corona-Pandemie nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden. Daraus zu schließen, die Auseinandersetzungen hätten sich beruhigt, wäre nicht nur naiv, sondern auch fatal. Denn das Gegenteil ist der Fall.