Ausgabe Dezember 2001

Die Neudefinition der Sicherheit

Die einzigartig monströse Qualität der Angriffe vom 11. September kann man sich mit Blick auf den Umstand klarmachen, daß wohl noch niemals außerhalb des Kontextes erklärter zwischenstaatlicher Kriege durch einen einzigen Akt organisierten Aggressionshandelns von Zivilpersonen so viele Menschen gleichzeitig ums Leben gebracht worden sind wie bei den Ereignissen in New York und Washington. Es erscheint heute nicht allzu riskant, diese Ereignisse als eine zeitgeschichtliche, innen- und außenpolitisch gleichermaßen folgenreiche Zäsur zu betrachten und sie in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit den Ereignissen vom November 1989 zu stellen. Ganz schematisch könnte man sagen: Am 9.11.1989 hat der Westen seinen Feind verloren. Am 11.9.2001 hat er einen anderen Feind wiedergefunden. Einzigartig ist auch die Tatsache der Koinzidenz von Massenmord und kollektiver instrumenteller Selbsttötung von (bis zu) 19 Personen.

Die Frage ist, welcher Verbund von Motivlagen und Organisationsstrukturen dafür verantwortlich ist, daß die menschliche Selbsttötungshemmung im Dienste nicht nur eines expressiven Akts religiösen Wahns, sondern im Dienste eines zielgerichtet koordinierten Plans ausgeklinkt worden ist.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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