Ausgabe Februar 2001

Auf dem Weg in einen Polizeistaat neuen Typs?

1. Die kontinuierliche Ausweitung polizeilicher Befugnisse

Das Auftreten vieler Innen- und " Sicherheits " -Politiker erinnert fatal an Theodor Storms Märchen vom kleinen Häwelmann. 1) "Mehr, mehr!", fordern sie immer wieder. Sie wollen zwar nicht mit ihrem Bettchen durch die Stadt und in den Himmel fahren, sondern sie meinen damit vor allem mehr Befugnisse für die Polizei. Vom Bundes- und von den Landesgesetzgebern werden diese mit beeindruckender "Atemlosigkeit und Unersättlichkeit" 2) vorgebrachten Forderungen meist Schritt für Schritt erfüllt. So ist das Arsenal der polizeirechtlichen Ermächtigungsnormen in den letzten Jahren nach der Einführung des verdeckten Ermittlers und des Lauschangriffs sukzessive um die Schleierfahndung und das Aufenthaltsverbot bereichert worden 3), momentan steht gerade die Videoüberwachung öffentlicher Plätze auf der Agenda. Das Dickicht der ausufernden Detailbestimmungen der Polizeigesetze oder der in den verschiedensten Bundesgesetzen und -verordnungen geregelten Überwachung der Telekommunikation ist inzwischen selbst für Fachleute kaum noch überschaubar, geschweige denn für die davon betroffenen Bürger und Bürgerinnen. Die gewaltige Zunahme rechtlicher Regelungen bewirkt nicht mehr Rechtssicherheit gegenüber dem Zugriff der Staatsgewalt, sondern faktisch deren Entgrenzung.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Gegen den Digitalzwang: Das Recht auf analoges Leben

von Leena Simon, Rena Tangens

In vielen Saunen gilt das Prinzip digital detox – digitale Entgiftung. Elektronische Geräte wie Smartphones, Tablets oder Computer sind dort nicht erlaubt, die Menschen sollen sich von deren übermäßiger Nutzung erholen. Was in den meisten Saunen normal ist, wird in der Außenwelt jedoch immer schwieriger.

Der maskierte Raub

von Naomi Klein

In der vielschichtigen Debatte über die schnelle Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es eine vergleichsweise obskure Auseinandersetzung um die „KI-Halluzinationen“. Auf diesen Begriff haben sich die Architekten und Förderer der generativen KI geeinigt, um Antworten von Chatbots zu bezeichnen, die völlig erfunden oder einfach falsch sind.