Ausgabe Februar 2001

Estradas Fall

Warum trägt Estrada immer ein Armband? Damit er seine linke Hand von der rechten unterscheiden kann. Die Witze über den philippinischen Präsidenten Joseph Ejercito Estrada bewegen sich meist auf ziemlich niedrigem Niveau, sie ähneln in gewisser Weise den Witzen über den frühen Helmut Kohl. Die Intellektuellen verachteten den Schulabbrecher mit seinem lächerlich schlechten Englisch schon immer - in der Verachtung spiegelte sich die Hilflosigkeit gegenüber jener doppelten Macht, die Estrada im Mai 1998 ins Amt brachte: Reiche Cronies des früheren Diktators Ferdinand Marcos finanzierten seinen Wahlkampf; die Stimmen der Slums bescherten ihm den Sieg an der Urne. Ein Bilderbuch-Populist: Die Armen glaubten, Estrada würde im Amt jener Rächer der Entrechteten sein, den er als Schauspieler früher verkörperte. Nun der Impeachment-Prozess, ein Amtsenthebungsverfahren wegen illegaler Bereicherung: Erstmals wird ein amtierender Regierungschef vom Parlament seines Landes angeklagt wegen Korruption.

Ein aufregendes Lehrstück allemal - allein dass es begann, ist auf den ersten Blick schon ein ermutigender Kontrast zum sonstigen Geschehen in Südostasien. Indonesiens Suharto, gestürzt im selben Monat als Estrada siegte, greist straflos dahin, trotz aller Demonstrationen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.