Ausgabe Februar 2001

Estradas Fall

Warum trägt Estrada immer ein Armband? Damit er seine linke Hand von der rechten unterscheiden kann. Die Witze über den philippinischen Präsidenten Joseph Ejercito Estrada bewegen sich meist auf ziemlich niedrigem Niveau, sie ähneln in gewisser Weise den Witzen über den frühen Helmut Kohl. Die Intellektuellen verachteten den Schulabbrecher mit seinem lächerlich schlechten Englisch schon immer - in der Verachtung spiegelte sich die Hilflosigkeit gegenüber jener doppelten Macht, die Estrada im Mai 1998 ins Amt brachte: Reiche Cronies des früheren Diktators Ferdinand Marcos finanzierten seinen Wahlkampf; die Stimmen der Slums bescherten ihm den Sieg an der Urne. Ein Bilderbuch-Populist: Die Armen glaubten, Estrada würde im Amt jener Rächer der Entrechteten sein, den er als Schauspieler früher verkörperte. Nun der Impeachment-Prozess, ein Amtsenthebungsverfahren wegen illegaler Bereicherung: Erstmals wird ein amtierender Regierungschef vom Parlament seines Landes angeklagt wegen Korruption.

Ein aufregendes Lehrstück allemal - allein dass es begann, ist auf den ersten Blick schon ein ermutigender Kontrast zum sonstigen Geschehen in Südostasien. Indonesiens Suharto, gestürzt im selben Monat als Estrada siegte, greist straflos dahin, trotz aller Demonstrationen.

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