Ausgabe Juli 2001

Berlin bleibt nicht Berlin

Wer hätte das im Oktober 1990 zu prophezeien gewagt? Keine elf Jahre nach der Wiedervereinigung spricht vieles dafür, daß die PDS an der nächsten Berliner Landesregierung beteiligt sein wird. Die "Frontstadt Berlin" ist damit endgültig passé. Dabei konnte man es schon nicht mehr hören: Das hohle Lied vom Ende des alten West-Berlin. Gar zu lange zog sich dieses Dahinscheiden hin. Noch nach jeder neuen Degradierung Klaus Landowskys, vom Bankvorsitzenden zum Nur-Noch-Fraktionsvorsitzenden zum Nur-Noch-Parteivize, wurde der Abschiedssong halb wehmütig-nostalgisch, halb keck-triumphierend intoniert. Was zunächst wie eine typische Berliner Provinzposse aus dem Geist des Kalten Krieges erschien, die nur vor dem Hintergrund einer jahrzehntelang subventionierten Berliner Klüngelwirtschaft gedeihen konnte, weitete sich zum größten Banken- und Regierungsskandal aus. Und mit der Aufkündigung der großen Koalition und dem Ende der Ara Landowsky/Diepgen ist es jetzt tatsächlich regierungsamtlich: So wie Berlin während der vergangenen fast 20 Jahre regiert wurde, wird es nicht wieder sein. 16 Jahre Diepgen, nur kurz unterbrochen durch die rot-grüne Momper-Episode, gehören mit der Wahl des rot-grünen Übergangssenats unwiderruflich der Vergangenheit an.

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In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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