Ausgabe Juni 2001

Antiamerikanismus?

Viele Amerikaner, denen die internationale Stellung ihres Landes am Herzen liegt, machen sich Sorgen über den Antiamerikanismus in der Welt. Aber in Washingtoner Kreisen und in der politischen Öffentlichkeit fehlt oft das Verständnis für Wesen und Hintergründe des Phänomens. Das liegt zum Teil an den Medien, weil die journalistische Berichterstattung über auswärtige Angelegenheiten heute fast ausschließlich von Washington aus erfolgt. Außenpolitische Fragen werden daher in aller Regel aus der Washingtoner Perspektive formuliert, in den Kategorien der amerikanischen Innenpolitik und der etablierten politischen Positionen. Das Verfahren lädt zu uninformativen Antworten ein und verdrängt unerwünschte oder unerfreuliche Nachrichten. Themen, die in der Hauptstadt nicht ohnehin im Gespräch sind, fallen in der Regel unter den Tisch, weil man hier allgemein annimmt, was Washington nicht interessiere, könne nicht sehr wichtig sein. Der Realitätsgehalt vieler hauptstädtischer Debatten ist deshalb nicht allzu hoch zu veranschlagen.

Das Finanzminister Paul O'Neill kürzlich über Japan von sich gab, liefert ein sprechendes Beispiel: Wegen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes müsse etwas geschehen, "um den Menschen in Japan zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen", meinte der Minister.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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