Ausgabe Juni 2001

Antiamerikanismus?

Viele Amerikaner, denen die internationale Stellung ihres Landes am Herzen liegt, machen sich Sorgen über den Antiamerikanismus in der Welt. Aber in Washingtoner Kreisen und in der politischen Öffentlichkeit fehlt oft das Verständnis für Wesen und Hintergründe des Phänomens. Das liegt zum Teil an den Medien, weil die journalistische Berichterstattung über auswärtige Angelegenheiten heute fast ausschließlich von Washington aus erfolgt. Außenpolitische Fragen werden daher in aller Regel aus der Washingtoner Perspektive formuliert, in den Kategorien der amerikanischen Innenpolitik und der etablierten politischen Positionen. Das Verfahren lädt zu uninformativen Antworten ein und verdrängt unerwünschte oder unerfreuliche Nachrichten. Themen, die in der Hauptstadt nicht ohnehin im Gespräch sind, fallen in der Regel unter den Tisch, weil man hier allgemein annimmt, was Washington nicht interessiere, könne nicht sehr wichtig sein. Der Realitätsgehalt vieler hauptstädtischer Debatten ist deshalb nicht allzu hoch zu veranschlagen.

Das Finanzminister Paul O'Neill kürzlich über Japan von sich gab, liefert ein sprechendes Beispiel: Wegen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes müsse etwas geschehen, "um den Menschen in Japan zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen", meinte der Minister.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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