Ausgabe Mai 2001

Washington, Peking und das Spionageflugzeug

Sowohl in Washington wie in Peking haben wichtige politische Gruppierungen sich die Affäre um das am 1. April auf Hainan notgelandete US-Spionageflugzeug zunutze gemacht, um den eigenen Einfluß zu stärken. Gewisse Republikaner in der neuen Administration und im Kongreß sowie die konservativen Denkfabriken, die China als den neuen geopolitischen Gegenspieler Amerikas betrachten, deuteten den Zwischenfall als Beweis für die Stichhaltigkeit ihrer Auffassungen. Es liegt in der historischen Bestimmung der Vereinigten Staaten, meinen sie, auf eine Konfrontation mit China zuzusteuern, um auf diese Weise zu entscheiden, welches der beiden Länder im 21. Jahrhundert Asien dominieren wird. Sie wollen eine amerikanische Politik, die China schwach hält. Eine andere Gruppe der Republikaner, innerhalb und außerhalb der Regierung, zeigte sich zutiefst erleichtert darüber, daß eine diplomatische Lösung gefunden wurde. Sie wünschen die Erhaltung der guten Handelsbeziehungen mit China wegen der enormen Investitionen amerikanischer Unternehmen in diesem Land, wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit von chinesischen Exporten und nicht zuletzt deshalb, weil sie an die marktorthodoxe These glauben, daß der Handel ein Land politisch liberalisiert, indem er seine Einbindung in die herrschende Weltordnung festigt.

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Aktuelle Ausgabe Dezember 2020

Joe Biden heißt der Sieger dieser historischen US-Präsidentschaftswahl. In der Dezember-Ausgabe beleuchten die Politikwissenschaftler Peter Beinart und Albena Azmanova, der Ökonom Marshall Auerback sowie die Journalistin Elaine Godfrey die Gründe für Trumps Niederlage sowie die gewaltigen Herausforderungen, vor denen der designierte Präsident und dessen Partei stehen. Die Ökonomin Mariana Mazzucato plädiert dafür, in der Coronakrise die Weichen für die Schaffung einer inklusiveren und nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu stellen. »Blätter«-Redakteurin Annett Mängel legt dar, wie eine resonanzstarke Minderheit von Ärzten die Pandemie verharmlost und so den Coronaleugnern in die Hände spielt. Und die Journalistin Cinzia Sciuto sowie der Philosoph Pascale Bruckner plädieren für einen deutlich kritischeren Umgang mit dem Islamismus – gerade seitens der Linken.

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