Ausgabe Oktober 2001

Drei Lektionen des 11. September 2001

Über die Anschläge in New York und Washington am Dienstag, dem 11. September 2001 muß vor allem anderen gesagt werden, daß sie die Verwundbarkeit der Vereinigten Staaten, wie die jeder modernen Gesellschaft, gegenüber einem intelligent geplanten und entschlossenen Angriff demonstrieren. Militärvertreter und Spezialisten aus dem sicherheitspolitischen Establishment, ob in Uniform oder Zivil, präsentieren seit Jahrzehnten spekulative Szenarien, wie ein Angriff auf Amerika aussehen könnte.

Aber ihre Arbeit war geprägt von der High-Tech-Besessenheit des Pentagon und dem Machbarkeitsethos der amerikanischen Gesellschaft. Die Planung hat immer unter der Annahme der Planer gelitten, Feinde würden auf eine Art und Weise angreifen, die genau zu der Art Verteidigung paßte, die schon vorbereitet oder geplant war. Daher konzentrierten sie ihre Mutmaßungen und Pläne auf die Gefahr eines Angriffs mit Massenvernichtungswaffen, bei dem wahrscheinlich mehr oder weniger ausgefeilte High-Tech-Methoden angewandt würden. Die Diskussion hat sich fast ausschließlich mit Raketenangriffen, Nuklearwaffen von "Schurkenstaaten" sowie chemischen und biologischen Kampfstoffen befaßt. Für Verkehrsflugzeuge in Schurkenhand interessierten sich die Verteidigungsplaner nicht.

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.