Ausgabe Oktober 2001

Drei Lektionen des 11. September 2001

Über die Anschläge in New York und Washington am Dienstag, dem 11. September 2001 muß vor allem anderen gesagt werden, daß sie die Verwundbarkeit der Vereinigten Staaten, wie die jeder modernen Gesellschaft, gegenüber einem intelligent geplanten und entschlossenen Angriff demonstrieren. Militärvertreter und Spezialisten aus dem sicherheitspolitischen Establishment, ob in Uniform oder Zivil, präsentieren seit Jahrzehnten spekulative Szenarien, wie ein Angriff auf Amerika aussehen könnte.

Aber ihre Arbeit war geprägt von der High-Tech-Besessenheit des Pentagon und dem Machbarkeitsethos der amerikanischen Gesellschaft. Die Planung hat immer unter der Annahme der Planer gelitten, Feinde würden auf eine Art und Weise angreifen, die genau zu der Art Verteidigung paßte, die schon vorbereitet oder geplant war. Daher konzentrierten sie ihre Mutmaßungen und Pläne auf die Gefahr eines Angriffs mit Massenvernichtungswaffen, bei dem wahrscheinlich mehr oder weniger ausgefeilte High-Tech-Methoden angewandt würden. Die Diskussion hat sich fast ausschließlich mit Raketenangriffen, Nuklearwaffen von "Schurkenstaaten" sowie chemischen und biologischen Kampfstoffen befaßt. Für Verkehrsflugzeuge in Schurkenhand interessierten sich die Verteidigungsplaner nicht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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