Ausgabe April 2002

Was ist Krieg?

Über Konstanten und Veränderungen im 21. Jahrhundert

Was versteht Clausewitz unter Krieg? Was meint der amerikanische Präsident, wenn er von einem "veränderten Krieg" des 21. Jahrhunderts spricht? Was weiß man aus der Geschichte über Kriege, die nicht enden wollten? Der Filmemacher, Produzent und literarische Autor Alexander Kluge sucht gemeinsam mit dem Soziologen Oskar Negt nach Antworten. Die nunmehr über ein Vierteljahrhundert währende Zusammenarbeit des viel gelobten Autorengespanas Kluge und Negt (Geschichte und Eigensinn, 1981; Maßverhältnisse des Politischen, 1992) kreist um basale Fragen wie "Was ist politisch am politischen Handeln?" oder "Welchen Gebrauchswert hat Wissen in unserem Jahrhundert?". Nachstehend veröffentlichen wir vorab eine für die "Blätter" überarbeitete Printversion des Fernsehgesprächs, das in dem von Alexander Kluge produzierten Kulturmagazin 10 vor 11 im Sommer dieses Jahres ausgestrahlt wird. - D. Red.

Alexander Kluge: Was ist Krieg?

Oskar Negt: Das ist ein sehr komplexer Begriff. In der Definition von Clausewitz bedeutet Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Er versucht den Krieg als Struktur eines Geschehens zu begreifen, in dem eine Krieg führende Gemeinschaft einer anderen Krieg führenden Gemeinschaft ihren Willen aufzwingen will.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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