Er werde Hongkongs Bürger exekutieren, versprach Chief Executive Tung Chee-hwa, Hongkongs erster chinesischer Regierungschef, am 8. Oktober 1997 in seiner Jungfernrede vor dem Provisorischen Legislativrat der ehemaligen britischen Kronkolonie. In Wirklichkeit handelte es sich natürlich nicht um ein Versprechen, sondern um einen Versprecher - der aus Shanghai stammende Tung hielt seine Ansprache auf kantonesisch und mit Hongkongs Lokaldialekt steht er auf Kriegsfuß. Eigentlich wollte er sagen, seine Regierung werde auf die Meinung der Bürger hören. Dass Tung vor einem Legislativrat sprach, der nach Ansicht unparteiischer Juristen jeglicher rechtlichen Grundlage entbehrt und dessen 60 von Peking eingesetzte Mitglieder angetreten waren, die vom letzten britischen Gouverneur Chris Patten gegen den erbitterten Widerstand Chinas durchgesetzten Reformen rückgängig zu machen, sofern sie die Macht Pekings einschränkten, störte anscheinend kaum jemanden: Wie Meinungsumfragen zeigten, erfreute sich Tung nach 100 Tagen im Amt einer Zustimmungsrate von über 65%. Im August 1997, keine zwei Monate nach der Übernahme, hatte sie sogar 82%, betragen - höher als die Pattens, der es nie auf mehr als 77% brachte. Tungs Beliebtheit, unkten die Skeptiker damals, rühre von der verständlichen Erleichterung über das, was er nicht getan habe.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.