Ausgabe Juli 2002

Nazi-Deutschland von innen und außen gesehen

Über Sebastian Haffners publizistisches Wirken

Einem größeren Publikum wurde Sebastian Haffner seit den späten 50er Jahren bekannt als gern gesehener Gast in Werner Höfers sonntäglicher Sendung "Der Internationale Frühschoppen" mit "sechs Journalisten aus fünf Ländern". Er wurde dort als Deutschlandkorrespondent der britischen Zeitung "Observer" vorgestellt. Was es mit diesem Engländer, der ein akzentfreies Deutsch sprach, auf sich hatte, das wussten die wenigsten, und auch in den Jahrzehnten danach, als Haffner sich vom Briten wieder zum Deutschen zurückverwandelt hatte und als Kolumnist der "Welt", später des "Stern" - und schließlich vor allem als Autor viel gelesener historisch-politischer Sachbücher (darunter vor allem der "Anmerkungen zu Hitler", 1978) - berühmt wurde: In all diesen Jahren blieb die Zeit seiner Emigration wie unter einem Schleier verborgen. Erst 1996 erschien in deutscher Rückübersetzung sein Buch "Germany: Jekyll and Hyde" aus dem Jahre 1940 - übrigens in einem Berliner Einmannverlag. 1)

Die großen Verlage interessierten sich in den 90er Jahren nicht mehr für das Werk Haffners. Seine Zeit schien längst vorbei zu sein, und nach seinem Tode Anfang 1999 wurde es vollends still um ihn.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.