Ausgabe Mai 2002

Asymmetrien des Palästina-Konflikts

In Zeiten, wie sie gegenwärtig den Nahen Osten beuteln, stellt sich mit großer Dringlichkeit die Frage, was Kollektiven alles widerfahren müsse, damit sie zur Besinnung kommen. Damit sie den barbarischen Umgang miteinander in eine zivilisierte Form der Regelung des beide beherrschenden Konflikts kanalisieren. Entsetzt blickt man auf die Schrecknisse zunehmend eskalierender Gewalt, auf das Grauen eines Gemetzels, welches nicht nur immer mehr Menschenleben auslöscht, nicht nur zur wilden Zerstörung notwendiger Lebensgrundlagen führt und nicht nur nackter Gewalt, blanker Destruktion eine so schon seit langem nicht dagewesene ideologische Legitimation verschafft. Es liquidiert zugleich die Überreste einer über Jahre mühsam aufgebauten Annäherungsund Vertrauensstruktur.

Was sich in den letzten Wochen zwischen Israelis und Palästinensern zuträgt, schlägt Wunden, die selbst, wenn der Konflikt dereinst formell beigelegt wird, offen bleiben und nur sehr allmählich verheilen dürften. Israels Juden und die Palästinenser haben in den vergangenen Jahrzehnten je eigene kollektive Gedächtnismuster entfaltet, welche von gewaltdurchwirkten Realgeschehnissen, nicht minder aber von deren Ideologisierung geprägt sind.

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