Ausgabe Mai 2002

Postjugoslawische Zustände

Requiem für Jugoslawien

Das Ende Jugoslawiens kam nicht mit einem Paukenschlag, davon hatte es lm letzten Jahrzehnt mehr als genug gegeben. Es kam nicht einmal mit einem Wimmern. Es kam mit kratzenden Federn: Am 14. März überantworteten die Führer Serbiens und des winzigen Montenegro mit ihren Unterschriften Jugoslawien umstandslos den Geschichtsbüchern. Die Trauergemeinde war klein. Vielleicht gehörten manche aus der älteren Generation dazu, die sich an bessere Tage erinnern. Aber nach den Reaktionen aus Belgrad, Zagreb, Sarajevo, Ljubljana und Skopje zu schließen, hielt sich der Kummer in Grenzen. Vojislav Kostunica, der letzte Präsident Jugoslawiens und auserkoren, dem Nachfolgestaat Serbien und Montenegro vorzusitzen, gab sich überrascht, als ein Besucher Trauer über das Ende des Staates und seines geschichtsträchtigen Namens bekundete.

Wie Indonesien, die frühere Tschechoslowakei und noch heute Indien war Jugoslawien ein Konglomerat verschiedenartiger Völker. Serben, Kroaten, Slowenen, bosnische Muslime und andere kamen nach dem "war to end all wars" 1918 in einem Königreich unter der Schirmherrschaft Präsident Woodrow Wilsons und der Versailler Konferenz zusammen.

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