Ausgabe November 2002

Ein Projekt ist das nicht. Rot-Grün zum Zweiten

Blätter Gespräch mit Bettina Gaus

Mit dem knappen Wahlsieg bei der Bundestagswahl erhält Rot-Grün eine zweite Chance. Ob dies die Fortsetzung eines rot-grünen Projekts bedeutet, darüber sprachen wir zwei Wochen nach der Wahl mit Bettina Gaus. Die politische Korrespondentin der „tageszeitung“ (taz) ist eine profilierte Beobachterin des politischen Geschehens in der Bundeshauptstadt. Von 1996 bis 1999 war sie die Leiterin des Parlamentsbüros der taz, zuvor berichtete sie sechs Jahre als Korrespondentin aus Ost- und Zentralafrika. In ihrem Buch „Die scheinheilige Republik“ (München 22002) plädiert sie für eine Erneuerung der demokratischen Streitkultur und gegen die Verabsolutierung des Konsenses. –D. Red.

„Blätter“: Nach vier Jahren wirkte die rot-grüne Koalition verbraucht und inhaltlich ausgebrannt. Die professionellen Beobachter von FAZ bis taz prophezeiten noch bis in den späten August das Ende der Koalition. Plötzlich gelten die Grünen als die strahlenden Gewinner ...

Bettina Gaus: Die Grünen haben auch zu meiner eigenen Überraschung substantiell zugelegt. Ich habe vor der Wahl nicht gesehen, in welchen neuen Segmenten – außer vielleicht bei jungen Frauen – sie Stimmen gewinnen könnten, um den drohenden Verlust von enttäuschten früheren Grünen-Wählern auszugleichen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien

God‘s own country: Der Kampf um die Religiösen

von Claus Leggewie

Mit dem »Super Tuesday« am 3. März treten die Vorwahlen der US-Demokraten in die entscheidende Phase ein. Überraschend geht dabei neben Bernie Sanders nach ersten starken Ergebnissen auch Pete Buttigieg als Favorit ins Rennen. Wer aber ist überhaupt in der Lage, die USA und die Welt vor weiteren vier Jahren unter Donald Trump zu bewahren? Dem widmen sich die Beiträge von James K. Galbraith (zu Sanders‘ Wirtschaftsprogramm), Claus Leggewie (zur Rolle der Religion im Wahlkampf) und Paul M. Renfro, dessen Text zur Strategie von Buttigieg auch zeigt, wie erbittert die parteiinterne Debatte inzwischen geführt wird.