Ausgabe November 2002

Schwächen der Machtfixierung

Robert Kagans Aufsatz hat in den politisch interessierten Kreisen der USA beachtliche Aufmerksamkeit gefunden. Im Zusammenhang mit dem vom Institute of American Values (IAV) in New York initiierten und von 60 amerikanischen Intellektuellen unterzeichneten Manifest "What we're fighting for?" 1 und einer kritischen Entgegnung deutscherseits, hatte ich die Gelegenheit, längere Gespräche im IAV zu führen. Am Ende einer anregenden und konstruktiven Diskussion wurde Kagans Artikel zur Lektüre empfohlen.

Dieser Text faszinierte mich einerseits wegen seiner einfachen, klaren und unverblümten Sprache, irritierte und bedrückte mich jedoch andererseits, was die Argumentation und die Schlussfolgerungen betraf. Jedoch stand kaum zu erwarten, dass ein Physiker, wie ich, und ein Politologe, wie Kagan, hier ähnliche Meinungen haben würden. Jedenfalls scheint mir Kagans Artikel als Ausgangspunkt für eine tiefer und weiter gehende Diskussion hervorragend geeignet. Der Titel des Artikels signalisiert schon seine eigentliche Schwäche: "Power and Weakness". Macht und Schwäche, wobei Macht pointiert im physischen, sogar spezifisch militärischen und militärtechnischen Sinne, hier als relevante Orientierungsgröße und Maßstab für ein verändertes transatlantisches Verhältnis erscheint.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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