Ausgabe November 2002

Schwächen der Machtfixierung

Robert Kagans Aufsatz hat in den politisch interessierten Kreisen der USA beachtliche Aufmerksamkeit gefunden. Im Zusammenhang mit dem vom Institute of American Values (IAV) in New York initiierten und von 60 amerikanischen Intellektuellen unterzeichneten Manifest "What we're fighting for?" 1 und einer kritischen Entgegnung deutscherseits, hatte ich die Gelegenheit, längere Gespräche im IAV zu führen. Am Ende einer anregenden und konstruktiven Diskussion wurde Kagans Artikel zur Lektüre empfohlen.

Dieser Text faszinierte mich einerseits wegen seiner einfachen, klaren und unverblümten Sprache, irritierte und bedrückte mich jedoch andererseits, was die Argumentation und die Schlussfolgerungen betraf. Jedoch stand kaum zu erwarten, dass ein Physiker, wie ich, und ein Politologe, wie Kagan, hier ähnliche Meinungen haben würden. Jedenfalls scheint mir Kagans Artikel als Ausgangspunkt für eine tiefer und weiter gehende Diskussion hervorragend geeignet. Der Titel des Artikels signalisiert schon seine eigentliche Schwäche: "Power and Weakness". Macht und Schwäche, wobei Macht pointiert im physischen, sogar spezifisch militärischen und militärtechnischen Sinne, hier als relevante Orientierungsgröße und Maßstab für ein verändertes transatlantisches Verhältnis erscheint.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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