Ausgabe Oktober 2002

Bush braucht eine Vision

Amerikaner fühlen sich unbehaglich bei außenpolitischen Konzepten, denen die visionäre oder idealistische Dimension fehlt. Sie sind eine Außenpolitik gewöhnt, die sich in einem großzügigeren Rahmen als dem augenblicklich gebotenen bewegt. Wohin würden Siege über Irak und Al Qaida führen? Die Visionslosigkeit war besonders um den 11. September herum zu spüren. Auf Gedenkveranstaltungen für die Opfer des vergangenen Jahres wurden Franklin D. Roosevelts "Four Freedoms", die "Gettysburg Address" und weitere idealistische Texte vorgetragen, die in vergangenen Zeiten Amerikas geschichtliche Mission beschworen.

Es ging darum, die Vereinigten Staaten erneut auf diese Mission einzustimmen. Mr. Bush sprach von Amerikas "moralischer Berufung". Gleichzeitig aber unternimmt seine Administration die angestrengtesten Versuche, die Amerikaner und ihre zögernden Verbündeten doch noch davon zu überzeugen, dass sie gegen Saddam Husseins Irak in den Krieg ziehen müssen. Nicht wenige Amerikaner finden die mangelnde Übereinstimmung in dieser Frage beunruhigend. Seitdem der Zusammenbruch des Kommunismus die USA in die Position der unangefochtenen Weltmacht brachte, hält die Diskussion darüber an, wie diese Macht angemessen einzusetzen wäre oder wie sie missbraucht werden könnte.

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