Ausgabe Dezember 2003

Afghanistan zwei Jahre nach Petersberg

Eine Bestandsaufnahme

Die "Talks on Afghanistan" auf dem Petersberg bei Bonn jähren sich zum zweiten Mal. Dort und auf der Loya Dschirga vom Juni 2002 wurden die Grundlagen für die weitere politische Entwicklung des Landes gelegt, die in diesem Monat mit den Beratungen über die neue Verfassung in ein neues Stadium tritt. Zudem läuft am 20. Dezember das Mandat der Bundeswehr aus; Verteidigungsminister Struck wird dem Bundestag deshalb vorschlagen, dieses zunächst bis Dezember 2004 zu verlängern. Obwohl ihm bewusst sei, dass Afghanistan ein sehr gefährlicher Einsatz ist, bleibe das Land "in jedem Fall der Schwerpunkt der deutschen Auslandseinsätze." Jetzt wird der Bundestag zu entscheiden haben, ob Deutschland, in den Worten von Struck, weiter am Hindukusch verteidigt wird. Zeit also für eine Bestandsaufnahme: Was hat sich seit den Petersberger Beschlüssen vor zwei Jahren verändert, zum Guten oder zum Schlechten? Wie stellt sich die Lage in Afghanistan dar?

Afghanistan ist gegenwärtig kein funktionierender Staat, sondern ein NATO-Protektorat.1 Nach Angaben der afghanischen Zentralbank betrug das Budget Afghanistans für 2001/022 insgesamt 2195 Mio. US-Dollar. Davon wurden nur 102 Mio. aus eigenen Staatseinnahmen, hingegen 2093 Mio. aus ausländischen Quellen finanziert. Für 2003/04 wurde eine Summe von 2268 Mio. US-Dollar angesetzt, bei einer Eigenbeteiligung von 200 Mio.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.