Ausgabe Juni 2003

Treibgut SPD

Das 140. Jahr der deutschen Sozialdemokratie könnte ein weiteres Schicksalsjahr werden. Tatsächlich drängen sich manchem Beobachter Vergleiche mit 1982 auf, dem Jahr, in dem sich die SPD für die folgenden 16 Jahre in die Opposition verabschiedete. Nicht, dass Gleiches ihr schon heute wieder drohte - anders als damals die FDP stehen die Grünen in Treue fest zur Regierung, schon mangels ernsthafter Koalitionsalternativen. Aber an der SPD-Basis rumort es gewaltig. Die Gewerkschaften, seit Anbeginn treuer gesellschaftlicher Arm der Sozialdemokratie, sprechen offen vom "Bruch" (DGB-Chef Michael Sommer) und die Jusos, seit Jahren in der medialen Versenkung verschwunden, kritisieren vehement die Agenda 2010 als eine "einzige Gerechtigkeitslücke" (Niels Annen) und begehren gegen des Kanzlers Machtwort-Politik auf.

Natürlich kann die über Generationen gewachsene Verbindung von Gewerkschaften und Sozialdemokratie auch durch diese Belastungsprobe nicht dauerhaft beschädigt werden. Spätestens in der Opposition werden sie wieder zueinander finden. Und dennoch: Wenn jetzt ein Chefstratege wie Peter Glotz das Problem Gerhard Schröders mit dem soeben beendeten SPD-Sonderparteitag darauf reduziert, "die wichtigste Grundregel der Politik" nicht berücksichtigt zu haben: "Du musst die Parteifanatiker ruhig stellen" 1, unterläuft das die eigentlichen Herausforderungen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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