Ausgabe März 2003

Genial im Universalen, präzise im Einzelnen

Walter Jens zum 80.

Ob der König und Musikant David oder die Gebrüder Grimm, ob Emil Nolde oder Andreas Gryphius, Martin Luther oder Carlo Schmid, Rosa Luxemburg oder Nelly Sachs, Brechts Gedichte oder Thomas Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“, ob der Praeceptor Germaniae Philipp Melanchthon oder – ironisch – Axel Caesar Springer, ob Hans Küng oder Paul Hindemith: Walter Jens vermag es auf so unverwechselbare und unbestechliche wie bestechende Weise, Menschen, ihre Zeit und ihre bleibende Bedeutung anderen zu vermitteln. Und er macht neugierig, ja süchtig, selbst nachzulesen, nachzusehen, nachzuhören, nachzudenken. Stoffe, die er anfasst, werden lebendig; Vergangenes hebt er auf und es funkelt oder bestürzt.

Er ist ein großer Anreger, ein erfrischender Initiator für eigenes Weiterdenken und natürlich ein mitreißender Redner, dieser „Republikanische Feldzügler“, dieser Fußballfan und Kenner von Antike und Christentum. Und alles, was er sagt und denkt oder in die Welt schleudert, ist von Lessing’schem Geist. Nie entfernt von unserer politischen und sozialen Wirklichkeit ist die Literatur, um die er sich bekümmert. Und was er anführt, hat Bedeutung, doch nicht als propagandistisches Werkzeug, sondern als Quelle vertiefter Erkenntnis und Veränderung. „Eingreifendes Denken“ nannte das Bert Brecht. Jens kann seinen Mund nicht halten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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