Ausgabe November 2003

24

Die Rezensentin der "Frankfurter Rundschau" ist begeistert von der "spannendsten Krimiserie, die je produziert worden ist", und fügt, als befürchte sie, nicht ernst genommen zu werden, hinzu: "doch, doch, das ist so, bestimmt". Wochenlang hat sie ihren Tages- und Wochenablauf an die Sendezeiten angepasst, und deswegen mag sie nicht über die (ideologie)- kritischen Punkte schreiben, die sie trotzdem so ausführlich aufzählt, dass sie fast die Hälfte des Texts ausmachen (27.9.).

Die Serie, von der hier die Rede ist, wurde in RTL2 gesendet und als revolutionäre Neuerung verkauft. Alles spielt sich an einem einzigen Tag ab, und von diesem Tag erzählt jede Folge eine Stunde "in Echtzeit", also hat die Serie 24 Folgen und heißt deshalb auch so. Da es eine US-amerikanische Produktion ist, musste ein Teil des Zeitablaufs für die Werbung vorgesehen werden. So sind die einzelnen Folgen nur etwa 45 Minuten lang. Dem Rezipienten dürften weder die Rigorosität des Konzepts noch die Zwänge, derentwegen es durchbrochen wurde, besonders aufgefallen sein. Die gelegentlich eingeblendete Digitaluhr ist letztlich nur ein einfacher Kunstgriff zur Spannungserzeugung, mäßig interessant allenfalls für formale Analysen fernsehgerechter narrativer Strategien.

Sie haben etwa 25% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 75% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema