Ausgabe Oktober 2003

Staatszerfall und Privatisierung von Gewalt

Bürgerkriegsökonomien

Gespenstische Fernsehbilder von jugendlichen Rebellen und Kindersoldaten mit Ray-Ban-Sonnenbrillen und zerfetzten T-Shirts, die aufgeputscht von Drogen und dem Rausch der Macht an Straßensperren ihre automatischen Waffen zur Schau stellen, Berichte über Greueltaten an Zivilisten, Vertreibungen, Massenvergewaltigungen ... Die Nachrichten, die uns in den letzten Monaten aus Liberia und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) erreichten, werfen ein grelles Schlaglicht auf mörderische Kriege, knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle internationaler Medien, deren Schlagzeilen durch die bewaffnete Intervention der USA im Irak dominiert werden. Dabei markiert die kurze Kriegsphase des amerikanisch-britischen Feldzuges gegen die irakische Armee in diesem Frühjahr eine Randerscheinung im Kriegsgeschehen, das seit Jahren von innerstaatlichen Auseinandersetzungen und regionalen Konflikten dominiert wird: Im letzten Jahr waren nur zwei von 29 Kriegen weltweit rein zwischenstaatlicher Art.1 Obwohl innerstaatliche Kriege und Konflikte in schwachen oder zerfallenen Staaten der "Dritten Welt" die meisten Opfer fordern, finden sie außerhalb der Region oft nur dann Erwähnung, wenn sich die internationale Gemeinschaft nach Jahren des Zuschauens doch zu einer Intervention bequemt. Kurz darauf werden sie vergessen, sobald die Korrespondenten-Karawane weiterzieht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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