Ausgabe Oktober 2003

Staatszerfall und Privatisierung von Gewalt

Bürgerkriegsökonomien

Gespenstische Fernsehbilder von jugendlichen Rebellen und Kindersoldaten mit Ray-Ban-Sonnenbrillen und zerfetzten T-Shirts, die aufgeputscht von Drogen und dem Rausch der Macht an Straßensperren ihre automatischen Waffen zur Schau stellen, Berichte über Greueltaten an Zivilisten, Vertreibungen, Massenvergewaltigungen ... Die Nachrichten, die uns in den letzten Monaten aus Liberia und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) erreichten, werfen ein grelles Schlaglicht auf mörderische Kriege, knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle internationaler Medien, deren Schlagzeilen durch die bewaffnete Intervention der USA im Irak dominiert werden. Dabei markiert die kurze Kriegsphase des amerikanisch-britischen Feldzuges gegen die irakische Armee in diesem Frühjahr eine Randerscheinung im Kriegsgeschehen, das seit Jahren von innerstaatlichen Auseinandersetzungen und regionalen Konflikten dominiert wird: Im letzten Jahr waren nur zwei von 29 Kriegen weltweit rein zwischenstaatlicher Art.1 Obwohl innerstaatliche Kriege und Konflikte in schwachen oder zerfallenen Staaten der "Dritten Welt" die meisten Opfer fordern, finden sie außerhalb der Region oft nur dann Erwähnung, wenn sich die internationale Gemeinschaft nach Jahren des Zuschauens doch zu einer Intervention bequemt. Kurz darauf werden sie vergessen, sobald die Korrespondenten-Karawane weiterzieht.

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