Ausgabe April 2004

Im Hause des Henkers

Fritz Bauer und die Selbstaufklärung der Republik

Vor vierzig Jahren, von der Eröffnung am 20. Dezember 1963 bis zur Verkündung der Urteile am 19. und 20. August 1965, fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitzprozess statt. Treibende Kraft hinter dem Verfahren war der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Das nach ihm benannte Fritz Bauer Institut eröffnete am 27. März d.J. am historischen Ort des Gerichtsverfahrens, im Frankfurter Bürgerhaus Gallus, eine Ausstellung über Geschichte und Wirkungsgeschichte dieses Prozesses, die bis Ende Mai zu sehen sein wird. Die Ausstellung unternimmt den Versuch, den Prozess und dessen Auswirkungen auf die bundesrepublikanische Vergangenheitspolitik dokumentarisch, aber auch mit künstlerischen Mitteln darzustellen. – D. Red.

Die wirtschaftswunderliche Bundesrepublik der frühen 60er Jahre war ein anderes Land als das heutige. Filmaufnahmen vom Auschwitzprozess zeigen, wie Polizisten während der Sitzungspausen noch nicht inhaftierten Angeklagten in aller Unbefangenheit salutierten. Mit diesem Prozess begann die öffentliche "Aufarbeitung der Vergangenheit".

1964 war es nicht einmal 20 Jahre her, dass die Rote Armee Auschwitz befreit und die SS noch lebende Häftlinge in brutalen Todesmärschen nach Westen getrieben hatte.

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