Ausgabe April 2004

Wir brauchen dringend weitere Vanunus

Alles, was Mordechai Vanunu in seinem Leben besaß, setzte er bewusst aufs Spiel, um sein Land und die Welt zu alarmieren: um sie vor einer weiteren Steigerung der nuklearen Gefahren unserer Zeit zu warnen. Der ehemalige Ingenieur in der israelischen Dimona-Atomanlage lancierte Informationen über Israels Atomwaffenprogramm durch eine Veröffentlichung in einer britischen Zeitung an die Weltöffentlichkeit und zahlte dafür einen hohen Preis. Um seiner mutigen und zukunftsweisenden Tat willen hat er eine Last auf sich genommen, die in mancher Hinsicht schlimmer ist als der Tod. Nachdem er 1986 in Italien vom israelischen Geheimdienst entführt wurde, verbrachte er achtzehn Jahre im Gefängnis Ashkelon, mehr als elf Jahre davon isoliert in einer zwei mal drei Meter großen Zelle. Am 21. April soll Vanunu entlassen werden.

Vanunu tat exakt das, was er tun musste und was andere tun sollten. Er lüftete das Geheimnis, dass sein eigenes Land – wie die Vereinigten Staaten, wie Russland und verschiedene andere Mächte – Atomwaffen entwickelt und in einem Umfang gelagert hat, der jeglichen angenommenen Bedarf für Zwecke atomarer Abschreckung weit übersteigt. Offiziell hat Israel bis heute nicht einmal die Existenz seiner Atomwaffen zugegeben. Seiner Beschaffenheit und Größenordnung nach dient dieses Atomwaffenprogramm eindeutig dazu, den Ersteinsatz von Atomwaffen gegen konventionelle Streitkräfte androhen und gegebenenfalls auch durchführen zu können.

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema