Der Erste Weltkrieg dürfte den meisten Deutschen heute, 90 Jahre nach seinem Ausbruch, beinahe so entrückt sein wie die Punischen Kriege. NS-Diktatur, Zweiter Weltkrieg und Holocaust, dazu zahlreiche Konflikte seit 1945, vorwiegend in Afrika und Asien, mit ökonomischen und politischen Rückwirkungen auch auf Europa, schließlich das Ende der Blockkonfrontation des "Kalten Krieges" mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und anderer kommunistisch regierter Länder in Osteuropa sowie die deutsche (Wieder-) Vereinigung 1989 haben eine Distanz geschaffen, die den Krieg von 1914 bis 1918 in den Hintergrund der Erinnerung drängte. Und dennoch bricht sie immer wieder hervor, die Vergangenheit, die nicht vergehen will. Nicht nur, dass uns unsere Nachbarn in Europa, etwa am symbolträchtigen Jahrestag des Waffenstillstands am 11. November 1918, an diese "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts (wie sie von manchen Historikern genannt wird) gemahnen, an die 15 Millionen Toten (darunter sechs Millionen Zivilisten), die sie forderte. Nicht nur, dass ihre Ängste vor einem aggressiven, die Welt auch im Frieden beunruhigenden Deutschland nicht gestorben sind, auch wenn ihre führenden Politiker etwas anderes sagen. Auch in Deutschland selbst ist der Erste Weltkrieg nicht zum Gegenstand bloß "objektiver Betrachtung" erkaltet.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.