Ausgabe Februar 2004

Hat die Sozialdemokratie eine Zukunft?

Die Sozialdemokratie steht in einer Tradition, die Techniken ökonomischer Regulierung, der Umverteilung und sozialen Vorsorge auf ein Ethos der Solidarität gründet. Demokratische Bürgerschaft, ausgeübt in Institutionen gesellschaftlicher Teilhabe, gehört zu ihrem Kernbestand. Zu den historischen Trägern der Sozialdemokratie zählen nicht allein die europäischen Mitgliedsparteien der Sozialistischen Internationale, sondern auch die amerikanischen Demokraten der Fortschrittsbewegung (Progressives), des New Deal und der Great Society. Ferner gibt es natürlich die postkommunistischen Parteien der kürzlich vom Stalinismus befreiten Staaten und die überaus aktiven Gruppen der radikalen Linken in Westeuropa – wie auch die christlich-sozialen Parteien. Ihre theoretischen, moralischen und sozialen Grundlagen unterscheiden sich voneinander, desgleichen ihre jeweilige Geschichte. Das gilt ebenso für die Grünen. Die Beziehungen der Sozialdemokraten zu den genannten Gruppierungen – und zu den neueren, gegen die kapitalistische Version der Globalisierung gerichteten sozialen Bewegungen – sind widersprüchlich (Gegnerschaft, Zusammenarbeit, Konkurrenz und Nachahmung), liefern aber Aufschluss über die tiefsten Risse innerhalb der Sozialdemokratie selbst.

Der gegenwärtige Kapitalismus ist in vieler Hinsicht von der Sozialdemokratie geprägt.

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