Ausgabe März 2004

Konstruierte Geschichte

Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU hatte sich etwas vorgenommen. Am symbolträchtigen 30. Januar wollte sie im Bundestag über ein Gesamtkonzept zur "Förderung von Gedenkstätten zur Diktaturgeschichte in Deutschland" 1 diskutieren. Was die neudeutsche Begrifflichkeit schon erahnen lässt, wird in ihrem Antrag schnell auf den Punkt gebracht: "Es bedarf eines Konzeptes, das Institutionen und historische Orte beinhaltet, die an beide Diktaturen erinnern. In diesem Zusammenhang sei auf eine Reihe historischer Orte und heutiger Gedenkstätten verwiesen, die von beiden Diktaturen zur Unterdrückung von Opposition und Widerstand genutzt wurden."2 Um die Neuausrichtung deutscher Erinnerungskultur geht es der Unionsfraktion also. Dabei überrascht die Grundsätzlichkeit des Ansatzes. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit den "Nationalen Mahn- und Gedenkstätten" in der DDR fordert sie ein Konzept nationaler Gedenkkultur, in dessen Mittelpunkt ein Kanon teils noch zu errichtender Gedenkstätten stehen soll. Nichts weniger als die Neukonstruktion der geschichtlichen Erinnerung steht offensichtlich zur Debatte.

Doch ganz neu ist das Konzept nicht. Als regionales Vorbild verweisen die Antragsteller auf das Land Sachsen mit seinem gerade verabschiedeten Stiftungsgesetz für die dortigen Gedenkstätten. Der sächsische Wissenschaftsminister Rößler sollte sogar als Gastredner im Bundestag auftreten. Doch damit war der Bogen überspannt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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