Ausgabe Oktober 2004

Iranisches Katz-und-Maus-Spiel

Der Konflikt um das iranische Atomprogramm spitzt sich immer mehr zu. Die USA und vor allem Israel scheinen davon überzeugt zu sein, dass Iran weiter an der Atombombe baut. "Der Iran hat nicht die Absicht, sein Atomprogramm zu beenden", sagte der israelische Militärgeheimdienstchef General Aharon Seevi-Farkasch im israelischen Fernsehen, "und wenn es ihm gelingt, es bis Frühjahr 2005 fortzusetzen, wird er in den folgenden zwei Jahren die Atombombe besitzen."1 Israels Geheimdienste sollen der Regierung bereits Pläne vorgelegt haben, wonach, ähnlich wie 1981 im Irak, die iranischen Nuklearanlagen in einem Blitzangriff bombardiert werden könnten.

Die Frage, ob Iran tatsächlich Nuklearwaffen plant, kann letztlich wohl nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten beantworten. Iran selbst bestreitet vehement derartige Absichten. Ziel des iranischen Atomprogramms sei ausschließlich die friedliche Nutzung der Nukleartechnologie mit dem Ziel der Unabhängigkeit der Energieversorgung, beteuert die iranische Staatsführung immer wieder.

Und in der Tat reicht das, was bis jetzt nach außen durchgesickert ist, zu einer eindeutigen Beurteilung des iranischen Atomprogramms nicht aus. Alles, was durch Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entdeckt oder von Teheran selbst offen gelegt wurde, kann zwar zur friedlichen Energienutzung verwendet werden - aber auch zum Bau der Bombe.

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