Ausgabe September 2004

Neue Kriegerinnen

Lynndie England und Jessica Lynch

Zwei junge weiße Frauen lächeln freundlich in die Kamera. Sie sehen nett aus, frisch, engagiert, aktiv. Beide sind US-Soldatinnen, beide waren in Irak eingesetzt und beide haben - allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen - erhebliche Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen. Jessica Lynch und Lynndie England scheinen ganz typische junge Rekrutinnen aus kleinstädtisch- ländlichen Gebieten der Vereinigten Staaten zu sein. Aber das Militär ist offensichtlich kein gewöhnlicher Arbeitgeber, und auch ein Kriegseinsatz ist kein Job wie jeder andere. Gefreite Lynch geriet 2003 angeblich in irakische Gefangenschaft; ihre spektakuläre Befreiung wurde zum Medienereignis: Sie wurde als Heldin und Opfer inszeniert. Obergefreite England erlangte schlagartig zweifelhafte Berühmtheit, als die Bilder von Folterungen im Abu- Ghraib-Gefängnis veröffentlicht wurden, die sie in stark sexuell aufgeladenen Posen zeigen. Die Handlungen dieser jungen Frauen, ihre Wahrnehmung und Darstellung in den Medien stehen im Mittelpunkt dieses Beitrags. Denn am Beispiel von Jessica Lynch und Lynndie England lässt sich das komplexe und widersprüchliche Verhältnis von Geschlecht und Gewalt im 21. Jahrhundert eindrücklich illustrieren.

Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist ein gesellschaftsbezogener Kriegsbegriff. Krieg und Frieden sind zutiefst vergeschlechtlichte dynamische soziale Prozesse der Eskalation bzw.

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Aktuelle Ausgabe Dezember 2020

Joe Biden heißt der Sieger dieser historischen US-Präsidentschaftswahl. In der Dezember-Ausgabe beleuchten die Politikwissenschaftler Peter Beinart und Albena Azmanova, der Ökonom Marshall Auerback sowie die Journalistin Elaine Godfrey die Gründe für Trumps Niederlage sowie die gewaltigen Herausforderungen, vor denen der designierte Präsident und dessen Partei stehen. Die Ökonomin Mariana Mazzucato plädiert dafür, in der Coronakrise die Weichen für die Schaffung einer inklusiveren und nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu stellen. »Blätter«-Redakteurin Annett Mängel legt dar, wie eine resonanzstarke Minderheit von Ärzten die Pandemie verharmlost und so den Coronaleugnern in die Hände spielt. Und die Journalistin Cinzia Sciuto sowie der Philosoph Pascale Bruckner plädieren für einen deutlich kritischeren Umgang mit dem Islamismus – gerade seitens der Linken.

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von Peter Beinart

Die Gründe dafür, dass Donald Trump nicht wiedergewählt wurde, reichen bis in den Frühsommer 2016 zurück, als er sich auf einen schicksalhaften Deal mit der eigenen Partei einließ. Im Juni jenes Jahres gab Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses – der Trump, selbst nachdem dieser zum De-facto-Kandidaten der Republikaner geworden war, demonstrativ die Anerkennung verweigert hatte –, endlich klein bei.

Die Prekaritätswahl

von Marshall Auerback, Albena Azmanova

Zwar wird Joe Biden Amerikas nächster Präsident, aber der knappe Wahlsieg der Demokraten entsprach durchaus nicht der überwältigenden „blauen Welle“, die viele Demoskopen verheißen hatten. Die in der Tat schlagendste Erkenntnis des 2020er Ergebnisses ist vielmehr die Deutlichkeit, mit der dieses die tiefen Spaltungen der 2016er Wahlen erneut offengelegt hat.

US-Demokraten: Ende des Burgfriedens

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Die jubelnde Menschenmenge, die sich am Samstag nach der US-Präsidentschaftswahl vor dem Weißen Haus versammelte, beeindruckte nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Heterogenität – als wäre eine repräsentative Stichprobe der Einwohnerschaft von Washington, D.C., auf der Black Lives Matter Plaza abgesetzt worden, um Joe Bidens Sieg zu feiern. Da gab es Code-Pink-Friedensaktivistinnen in bauchfreien Shirts, tanzende schwarze Teenager sowie Beratertypen in ihren blaukarierten Businesshemden. Frauen in Yoga-Leggings trugen Biden-2020-Schilder, Eltern trugen Babys und Großmütter winzige zitternde Hündchen durch das Gewimmel.