Ausgabe April 2005

Blair paradox

Großbritannien befindet sich im Wahlkampf. Wenn es keine Überraschungen mehr gibt, wählen die Briten am 5. Mai eine neue Regierung. Ob diese jedoch auch die alte sein wird, darüber macht man sich – trotz nach wie vor guter Siegchancen – bei New Labour zunehmend Sorgen. Die Torys sind in den Umfragen bis auf wenige Prozentpunkte herangekommen. Das jedoch hat wenig mit den Torys und ihrem blassen Spitzenkandidaten Michael Howard zu tun – aber viel mit Tony Blair. Der von ihm mitbetriebene Irakkrieg hat seine Popularität erheblich schrumpfen lassen, und sein zu autoritären Lösungen neigender Politikstil, der das Streben nach der guten Gesellschaft auf technische Maßgaben reduziert, hat ihn selbst den Anhängern seiner eigenen Partei tief und nachhaltig entfremdet.

Dabei könnten die Ausgangsbedingungen für New Labour eigentlich kaum besser sein. Die Regierung hat nicht nur in den vergangenen Jahren fast unbemerkt Umverteilung betrieben, sondern will Ausmaß und Ausgaben der Sozialleistungen bei einem Wahlsieg sogar weiter ausbauen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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