Ausgabe April 2005

Piqueteros und Betriebsbesetzer

Soziale Bewegungen in Argentinien

Aus zwei Gründen beherrschte das zuvor als neoliberales Musterland geltende Argentinien ab Ende Dezember 2001 weltweit die Fernsehkanäle und Printmedien: wegen des spektakulären finanziellen Kollapses und wegen der ebenso spektakulären Mobilisierung einer Fülle sozialer Bewegungen, durch welche die gewählte Regierung De la Rua gestürzt wurde; kurz danach wurde vom ersten der drei Interimspräsidenten der größte Staatsbankrott der neueren Wirtschaftsgeschichte ausgerufen. Dabei überraschte die Tiefe des Krisenprozesses, der sich in einer rasch auf über 50 Prozent ansteigenden offiziellen Armutsquote, einer weit über 20 Prozent liegenden Arbeitslosenziffer und einer völligen Diskreditierung der politischen Institutionen ausdrückte.

Dem seit Mai 2003 amtierenden Präsidenten Néstor Kirchner gelang es inzwischen, eine gewisse wirtschaftliche Stabilisierung zu erzielen. Auch wenn Arbeitslosigkeit und Armut kaum reduziert werden konnten, haben die sozialen Bewegungen und politischen Initiativen im Zuge dieses unter Kirchner eingetretenen partiellen Normalisierungsprozesses erheblich an öffentlicher Wirksamkeit eingebüßt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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