Ausgabe Dezember 2005

Die dritte Fusionswelle

2004 und 2005 entstand eine neue weltweite Fusionswelle, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Es ist die dritte innerhalb von 20 Jahren: Die erste hatte Ende der 80er Jahre im Zeichen der Herausbildung „nationaler Champions“ angesichts zunehmender internationaler Konkurrenz stattgefunden. Sie hatte in der EG durch die bevorstehende Vollendung des europäischen Binnenmarktes zusätzliche Dynamik erhalten. Der Boom auf den Finanzmärkten und in der New Economy waren der Motor der zweiten weltweiten Fusionswelle. Sie fand im Frühjahr 2000 mit dem Platzen der Spekulationsblase ein abruptes Ende. Die Kurse auf den Aktienmärkten halbierten sich innerhalb weniger Monate, und der Umfang der Unternehmenstransaktionen lag 2002 bei knapp 40 Prozent des Jahres 2000. Mittlerweile haben die Finanzmärkte sich erholt, die Kurse sind wieder gestiegen, liegen aber immer noch weit unterhalb ihres Rekordniveaus. Der Dollarwert der Fusionen hat sich 2005 jedoch gegenüber 2002 bereits mehr als verdoppelt und fast die Rekordhöhe des Jahres 2000 erreicht.

Europa hat in diesem Prozess gegenüber den USA aufgeholt. Für die neue Fusionsdynamik in Europa dürften vor allem drei Gründe maßgeblich sein. Erstens haben rigorose Einschnitte bei den Personalkosten – Rationalisierungen, Entlassungen, Lohn- und Gehaltskürzungen, Arbeitszeitverlängerungen – sowie die Senkung der Unternehmensteuern zu einem massiven Anstieg der Gewinne geführt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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