Ausgabe Dezember 2006

Die Welt nach Bush

Am 20. Januar 2009 wird George W. Bush, so er nicht vorher zu Tode kommt, zurücktritt oder einem Impeachment-Verfahren zum Opfer fällt, sein Amt an den 44. US-Präsidenten übergeben. Gleichgültig, ob es sich um einen Republikaner oder einen Demokraten handelt: Der nächste Präsident wird nicht nur eine Menge Krisen erben, sondern sich auch, bei dem Versuch, sie zu bewältigen, in einer wesentlich schwächeren Position befinden.

Amerikas Schwäche resultiert großenteils aus Verletzungen, die es sich selbst zugefügt hat: dem unnötigen Einmarsch in den Irak, verbunden mit der nicht minder unnötigen Brüskierung Verbündeter, seinem arroganten Unilateralismus und seiner Feindseligkeit gegenüber dem Völkerrecht. Aber so verlockend es auch sein mag, die ganze Schuld dafür allein der Bush-Regierung zuzuweisen: In Wahrheit handelt es sich bei den meisten der Trends, die Amerikas Macht und Einfluss im nächsten Jahrzehnt Grenzen setzen werden, um langfristige, von ökonomischen, demographischen und ideologischen Entwicklungen hervorgerufene Phänomene, die sich der Einflussnahme der USamerikanischen (wie jeder anderen) Regierung entziehen.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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