Ausgabe Dezember 2006

Die Welt nach Bush

Am 20. Januar 2009 wird George W. Bush, so er nicht vorher zu Tode kommt, zurücktritt oder einem Impeachment-Verfahren zum Opfer fällt, sein Amt an den 44. US-Präsidenten übergeben. Gleichgültig, ob es sich um einen Republikaner oder einen Demokraten handelt: Der nächste Präsident wird nicht nur eine Menge Krisen erben, sondern sich auch, bei dem Versuch, sie zu bewältigen, in einer wesentlich schwächeren Position befinden.

Amerikas Schwäche resultiert großenteils aus Verletzungen, die es sich selbst zugefügt hat: dem unnötigen Einmarsch in den Irak, verbunden mit der nicht minder unnötigen Brüskierung Verbündeter, seinem arroganten Unilateralismus und seiner Feindseligkeit gegenüber dem Völkerrecht. Aber so verlockend es auch sein mag, die ganze Schuld dafür allein der Bush-Regierung zuzuweisen: In Wahrheit handelt es sich bei den meisten der Trends, die Amerikas Macht und Einfluss im nächsten Jahrzehnt Grenzen setzen werden, um langfristige, von ökonomischen, demographischen und ideologischen Entwicklungen hervorgerufene Phänomene, die sich der Einflussnahme der USamerikanischen (wie jeder anderen) Regierung entziehen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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