Ausgabe Februar 2006

Links anziehen, rechts marschieren

Wenn die NPD oder die „Freien Nationalisten“ marschieren, sind alle mit dabei: Vom greisen „Nazi-Opa“ über den biederen Fahrlehrer und den klassischen Nazi-Skin bis hin zu langhaarigen Rechtsrockern und schließlich den urbanen „autonomen Nationalisten“ im Antifa-Outfit. Jeder findet in der Szene seinen Platz.

Lange Zeit galt die Zersplitterung des organisierten Rechtsextremismus vor allem als strukturelles Problem, heute dagegen ist die Heterogenität der einzelnen Gruppierungen im politischen Alltag selbstverständlich geworden. Mehr noch: Auffällig ist die strategische Etablierung vermeintlich „linker“ Symbole und Dresscodes neben den klassischen rechtsextremen Symbolwelten. Abbildungen von Rudolph Hess und Che Guevara, Reichsadler und „Palästinensertuch“, HJ-Scheitel und Ziegenbart – alles ist möglich.

In der Tat sind in den vergangen Jahren, spätestens seit dem Jahr 2000, linke Bewegungsthemen und -symbole zum festen Bestandteil des rechtsextremen Lifestyles geworden. Insbesondere in urbanen Ballungsgebieten erscheinen Rechte in linkem Outfit und diskutieren linke Themen wie Globalisierung, Antiimperialismus oder den Palästinakonflikt.

Diese Veränderung kann als das (Zwischen-) Ergebnis eines inhaltlichen und ästhetischen Wandlungs- und Ausdifferenzierungsprozesses in der rechtsextremen Szene selbst interpretiert werden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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