Ausgabe Februar 2006

Links anziehen, rechts marschieren

Wenn die NPD oder die „Freien Nationalisten“ marschieren, sind alle mit dabei: Vom greisen „Nazi-Opa“ über den biederen Fahrlehrer und den klassischen Nazi-Skin bis hin zu langhaarigen Rechtsrockern und schließlich den urbanen „autonomen Nationalisten“ im Antifa-Outfit. Jeder findet in der Szene seinen Platz.

Lange Zeit galt die Zersplitterung des organisierten Rechtsextremismus vor allem als strukturelles Problem, heute dagegen ist die Heterogenität der einzelnen Gruppierungen im politischen Alltag selbstverständlich geworden. Mehr noch: Auffällig ist die strategische Etablierung vermeintlich „linker“ Symbole und Dresscodes neben den klassischen rechtsextremen Symbolwelten. Abbildungen von Rudolph Hess und Che Guevara, Reichsadler und „Palästinensertuch“, HJ-Scheitel und Ziegenbart – alles ist möglich.

In der Tat sind in den vergangen Jahren, spätestens seit dem Jahr 2000, linke Bewegungsthemen und -symbole zum festen Bestandteil des rechtsextremen Lifestyles geworden. Insbesondere in urbanen Ballungsgebieten erscheinen Rechte in linkem Outfit und diskutieren linke Themen wie Globalisierung, Antiimperialismus oder den Palästinakonflikt.

Diese Veränderung kann als das (Zwischen-) Ergebnis eines inhaltlichen und ästhetischen Wandlungs- und Ausdifferenzierungsprozesses in der rechtsextremen Szene selbst interpretiert werden.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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