Ausgabe Januar 2006

Kambodschanische Wahrheitsfindung

Im Januar 1976 proklamierten die Roten Khmer offiziell das „Demokratische Kampuchea“. 30 Jahre später scheint es jetzt endlich so weit zu sein, dass dessen Geschichte auch juristisch aufgearbeitet wird: Nachdem die kambodschanische Nationalversammlung im Oktober 2004 infolge jahrelanger Verhandlungen mit den Vereinten Nationen der Einrichtung eines „Sondertribunals“ zustimmte, vor dem sich die ehemaligen Führungskader der Roten Khmer zu verantworten haben, soll dieses Tribunal nun seine Arbeit aufnehmen.1

Obwohl in der Zeit der Herrschaft der Roten Khmer 1975 bis 1979 bis zu zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren, sind bislang keine Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden. Selbst Führungsfiguren, wie „Bruder Nr. 2“ Nuon Chea oder das ehemalige Staatsoberhaupt Khieu Samphan leben heute unbehelligt als Rentner im Land. Wie kommt es, dass das Tribunal erst jetzt, mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Ende der Pol-Pot- Herrschaft, seine Arbeit aufnimmt? Welche Interessen im In- und Ausland standen und stehen ihm entgegen?

Spielball der Großmächte

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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