Ausgabe Januar 2006

Kambodschanische Wahrheitsfindung

Im Januar 1976 proklamierten die Roten Khmer offiziell das „Demokratische Kampuchea“. 30 Jahre später scheint es jetzt endlich so weit zu sein, dass dessen Geschichte auch juristisch aufgearbeitet wird: Nachdem die kambodschanische Nationalversammlung im Oktober 2004 infolge jahrelanger Verhandlungen mit den Vereinten Nationen der Einrichtung eines „Sondertribunals“ zustimmte, vor dem sich die ehemaligen Führungskader der Roten Khmer zu verantworten haben, soll dieses Tribunal nun seine Arbeit aufnehmen.1

Obwohl in der Zeit der Herrschaft der Roten Khmer 1975 bis 1979 bis zu zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren, sind bislang keine Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden. Selbst Führungsfiguren, wie „Bruder Nr. 2“ Nuon Chea oder das ehemalige Staatsoberhaupt Khieu Samphan leben heute unbehelligt als Rentner im Land. Wie kommt es, dass das Tribunal erst jetzt, mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Ende der Pol-Pot- Herrschaft, seine Arbeit aufnimmt? Welche Interessen im In- und Ausland standen und stehen ihm entgegen?

Spielball der Großmächte

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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