Ausgabe März 2006

Chinas neue Sicherheitsdoktrin

Während der wirtschaftliche Aufstieg Chinas zur inzwischen sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt samt seiner ökologischen Folgeschäden wie auch der wachsenden sozialen Ungleichheit im Westen genau beobachtet wird, fristet die Außen- und Sicherheitspolitik der Volksrepublik in der politischen Debatte noch immer ein Schattendasein. Dementsprechend wurde die neue chinesische Sicherheitsdoktrin hierzulande kaum wahrgenommen. Dabei sind mit Blick auf die geostrategische Bedeutung des Landes bereits heute die kommenden Verschiebungen im internationalen Machtgefüge absehbar.

Wir freuen uns deshalb, einen Beitrag aus chinesischer Perspektive zur Diskussion stellen zu können, in dem Chuan Chen, Oberst der Chinesischen Volksarmee und Stellvertretender Verteidigungsattaché der chinesischen Botschaft in Berlin, die Außen- und Sicherheitspolitik seines Landes darlegt. – D. Red.

Der erste Grundsatz der chinesischen Außen- und Sicherheitspolitik sind Frieden und Harmonie. Diese Gedanken haben ihren Ursprung im Konfuzianismus. Bei Konfuzius gibt es eine Regel, die im modernen Chinesisch so viel bedeutet wie „man muss alles versuchen, damit die Probleme mit angemessenen und möglichst von allen Seiten akzeptierten Mitteln harmonisch gelöst werden“. Dieser Grundsatz erfordert Kompromissfähigkeit und -bereitschaft – auf allen Seiten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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