Ausgabe Dezember 2007

Global Europe

Der liberale Imperialismus der Europäischen Union

Von Seattle über Cancún bis Heiligendamm – die erfolgreichen Proteste der globalisierungskritischen Bewegung wurden zu Recht gefeiert. Doch das war gestern. Heute markieren das wiederholte Scheitern der WTOVerhandlungen und der Machtverlust von IWF und Weltbank zugleich den Beginn einer neuen Ära in den globalen Handelsbeziehungen zwischen den tonangebenden Ländern der Triade und den Ländern des Südens.1

Die zunehmend aggressive Handelspolitik der Europäischen Union lässt darauf schließen, dass sich die Europäische Kommission von den Perspektiven einer „europäischen Friedensmacht“ verabschiedet hat – jedenfalls setzt die mächtige Generaldirektion Handel alles daran, die EU zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für das US-amerikanische Empire zu machen. Heute geht es der Europäischen Kommission vor allem darum, mit allen ihr zur Verfügung stehenden politischen Instrumenten aktiv in die strategischen Auseinandersetzungen um Marktzugänge, die Sicherung von Marktanteilen und die Schaffung neuer Märkte für global player mit Hauptsitz in Europa einzugreifen – und zwar in ganz bewusster Abkehr von den eigenen Traditionen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Außenwirtschaftsbeziehungen der EU dadurch gekennzeichnet, dass sie als Wirtschaftsblock gemäß GATT-Vertrag, Art.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.