Ausgabe Dezember 2007

Pakistanische Krisengeschichte

Um herauszufinden, wer für die pakistanische Krise, ja sogar den möglichen Zusammenbruch des Landes, tatsächlich verantwortlich ist, muss man den Blick weit über General Pervez Musharraf und Präsident George W. Bush hinaus richten. Bush hat von Musharraf etwas verlangt, was Musharraf gar nicht kann – nämlich Osama bin Laden einzufangen und auszuliefern sowie die Taliban an der Rückeroberung der Macht in Afghanistan zu hindern. Bush tat dies, weil die Vereinigten Staaten das eine wie das andere ebenso wenig können. Der Zerreißprobe zwischen diesen beiden Unmöglichkeiten könnte Pakistans Einheit zum Opfer fallen.

Der amerikanische Druck auf Musharraf hat einen Teil seiner Armee auf Distanz gehen lassen, den Aufstieg des islamischen Radikalismus beflügelt, den Antiamerikanismus enorm gesteigert und jetzt durch die forcierte Rückkehr Benazir Bhuttos als Symbolfigur der amerikanischerseits gewünschten politischen Liberalisierung den zweiten Staatsstreich Musharrafs ausgelöst. Andererseits möchte Washington, dass Musharraf ein Demokrat ist. Doch die Rückkehr zu verfassungsgemäßem Regieren und die Entwicklung der Zivilgesellschaft sind erst einmal blockiert, selbst wenn für Anfang 2008 Wahlen versprochen wurden.

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.

Koloniale Nachwehen: Der Kampf um Kaschmir

von Amadeus Marzai

Ein brutaler Terroranschlag riss am Nachmittag des 22. April das idyllische Baisaran-Gebirgstal im von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs aus seiner Ruhe. Es war der Beginn einer rapiden Eskalation im seit jeher angespannten indisch-pakistanischen Verhältnis und könnte sogar zum Ausgangspunkt eines größeren Krieges zwischen den beiden Nuklearmächten werden.