Ausgabe Februar 2007

Jedem seinen Hitler

Wie schon Roberto Benignis Das Leben ist schön wirft Dani Levys Film Mein Führer reflexhaft die Frage auf, ob man über Hitler lachen könne oder dürfe. Vor allem, wenn man sie absolut stellt, ist diese Frage eher nicht relevant, denn schon vor und während seiner Herrschaft wurde über ihn gelacht. Vielmehr scheinen bestimmte Formen der Komik in Hitler-Geschichten eher fatale Folgen zu haben. Er hätte, so hat Charlie Chaplin einmal gesagt, The Great Dictator nicht gemacht, wenn er damals (1939) schon die Wahrheit über die KZs gewusst hätte. Aber auch ohne diese Kenntnis hatte der große Komiker gespürt, dass der Slapstick, der seine eigene Kunstfigur konstituierte, sich für das Thema Holocaust nicht eignete. Sein Film bewahrt künstlerische Integrität dadurch, dass am Ende der Mensch Charlie Chaplin sowohl aus seiner Doppelrolle als auch aus seiner Funktion als Regisseur heraustritt und sich direkt an das Publikum wendet, mit einem moralischen, antifaschistischen Aufruf.

Dany Levy zitiert diese Szene. Der jüdische Schauspieler Adolf Grünbaum soll dem alternden und kränkelnden Führer dabei helfen, seine frühere rhetorische Faszinationsfähigkeit in einer großen Rede, mit der die letzten Kräfte für den verlorenen Krieg mobilisiert werden sollen, wenigstens noch einmal zu spielen.

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