Ausgabe Juni 2007

Die Freiheit des Internet

Wenn man den Marktforschern glauben darf, verspricht das Internet auch weiterhin ein boomendes Geschäft: Der Informations- und Telekommunikations- Technik sagen sie bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts Umsatzsteigerungen um bis zu zwei Drittel, der Werbung und dem Warenverkehr im Netz sogar um ein Vielfaches voraus. Nahezu 70 Prozent der Haushalte sollen dann über einen Breitbandanschluss verfügen.

Diese ausgesprochen positiven Wachstumsprognosen werden allerdings nicht überall gleichermaßen zu spüren sein: Während in manchen großstädtischen Zonen der Bundesrepublik bereits die nächste Generation von Breitbandanschlüssen installiert wird, bleibt vielen peripheren Gebieten selbst deren Vorgängergeneration immer noch verschlossen. Die Kommerzialisierung des Internet geht mit der Zementierung der digitalen Klassengesellschaft einher.

Dessen ungeachtet findet die These, dass das Internet eine Sphäre der Freiheit und Gleichheit bilde, in der nicht nur die Möglichkeit, sich zu äußern unbegrenzt, sondern alle Äußerungen auch gleichberechtigt seien, immer noch Akzeptanz. In der Tat gibt es im Internet noch Raum für Nachrichten und Meinungen, die in den anderen Medien gar nicht vor- oder zumindest zu kurz kommen. Dass man die betreffenden Orte erst finden muss und dass es dazu materieller, sozialer und intellektueller Ressourcen bedarf, wird jedoch gerne übersehen.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Greenwashing für Glyphosat

von Jan Kursko

„Mein Job wird oft kritisiert. Aber er rettet auch Leben.“ Wenn eine Firma es sich erlaubt, mit derart bekenntnishafter Anti-Propaganda die Werbeflächen des Landes zu plakatieren, dann muss es ihr schon erstaunlich gut gehen – oder aber das Wasser steht ihr bis zum Hals.

Im Zeitalter der Verwüstung

Bild: imago images / Future Image

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.

Bild: Nico / Unsplash

Neoliberal und ökologisch?

von Dieter Plehwe

Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise sind dringend Maßnahmen geboten, die tiefe Eingriffe in Märkte und Preise erfordern – darin ist sich eine überwältigende Mehrheit der Klimawissenschaftler*innen einig.