Ausgabe Juni 2007

Die Freiheit des Internet

Wenn man den Marktforschern glauben darf, verspricht das Internet auch weiterhin ein boomendes Geschäft: Der Informations- und Telekommunikations- Technik sagen sie bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts Umsatzsteigerungen um bis zu zwei Drittel, der Werbung und dem Warenverkehr im Netz sogar um ein Vielfaches voraus. Nahezu 70 Prozent der Haushalte sollen dann über einen Breitbandanschluss verfügen.

Diese ausgesprochen positiven Wachstumsprognosen werden allerdings nicht überall gleichermaßen zu spüren sein: Während in manchen großstädtischen Zonen der Bundesrepublik bereits die nächste Generation von Breitbandanschlüssen installiert wird, bleibt vielen peripheren Gebieten selbst deren Vorgängergeneration immer noch verschlossen. Die Kommerzialisierung des Internet geht mit der Zementierung der digitalen Klassengesellschaft einher.

Dessen ungeachtet findet die These, dass das Internet eine Sphäre der Freiheit und Gleichheit bilde, in der nicht nur die Möglichkeit, sich zu äußern unbegrenzt, sondern alle Äußerungen auch gleichberechtigt seien, immer noch Akzeptanz. In der Tat gibt es im Internet noch Raum für Nachrichten und Meinungen, die in den anderen Medien gar nicht vor- oder zumindest zu kurz kommen. Dass man die betreffenden Orte erst finden muss und dass es dazu materieller, sozialer und intellektueller Ressourcen bedarf, wird jedoch gerne übersehen.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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