Ausgabe April 2008

1968 = 1933?

Götz Alys Totalitarismusfiktion

"Vierzig Jahre 1968“ lautet das bereits arg strapazierte Jubiläum dieses Jahres. Doch trotz zahlreicher erinnernder wie deutender Bücher wollte die Debatte lange Zeit nicht richtig in Fahrt kommen. Erst mit einem gut platzierten Text des Historikers und Publizisten Götz Aly in der „Frankfurter Rundschau“ (FR) vom 30.

"Vierzig Jahre 1968“ lautet das bereits arg strap

 

azierte Jubiläum dieses Jahres. Doch trotz zahlreicher erinnernder wie deutender Bücher wollte die Debatte lange Zeit nicht richtig in Fahrt kommen. Erst mit einem gut platzierten Text des Historikers und Publizisten Götz Aly in der „Frankfurter Rundschau“ (FR) vom 30. Januar 2008 – einer pointierten Zusammenfassung seines inzwischen erschienenen Buches „Unser Kampf“ – sollte sich das ändern. Während sich Aly in seinen bisherigen Forschungen zum Nationalsozialismus gezielt geweigert hat, den Antisemitismus als zentrales Movens der Deutschen bei der Vernichtung der europäischen Juden zu analysieren,1 stellt er seine Ergebnisse mit „Mein Kampf“ regelrecht auf den Kopf: 1968 war in seiner Lesart ein tendenziell antisemitisches Revival von 1933, ein Spätausläufer des europäischen Totalitarismus – und besonders des deutschen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Nationalsozialismus

Warnungen aus Weimar

von Daniel Ziblatt

Autokraten sind vielerorts auf dem Vormarsch. Ihre Machtübernahme ist aber keineswegs zwangsläufig. Gerade der Blick auf die Weimarer Republik zeigt: Oft ist es das taktische Kalkül der alten Eliten, das die Antidemokraten an die Macht bringt.

Allzu perfekte Opfer

von Olga Bubich

„Das normale Vergessen ist der programmierte Zelltod des geistigen Lebens. Es formt die Erfahrung zu einer nützlichen Geschichte“, schreibt der amerikanische Schriftsteller Lewis Hyde. Da es keinen Grund gibt, ihm zu widersprechen, stellt sich eine nicht minder logische Frage – nützlich für wen?