Ausgabe August 2008

Alte Kameraden, neue Elite

Das bayrische Mittenwald war auch dieses Jahr wieder Mittelpunkt revisionistischer Traditionspflege bei der Bundeswehr. An diesem Standort der schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebauten 1. Gebirgsdivision wird alljährlich zu Pfingsten eine Art Heldengedenktag der alten Kameraden zelebriert. Die Bundeswehr unterstützt diese Treffen eines „Kameradenkreises“ der Gebirgstruppe materiell, ideell und personell, obwohl sich dort bis hin zu bekennenden SS-Veteranen auch Leute versammeln, die eigentlich Zielobjekte des Verfassungsschutzes sein sollten. Soldaten des österreichischen Bundesheeres dürfen inzwischen am Mittenwalder Kameradentreff nicht mehr teilnehmen, jedenfalls nicht in Uniform: Er diene „auch zur Verherrlichung von Kriegsverbrechen“, befand Wiens Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Von welchem Geist die Versammlungen geprägt sind, demonstrierte nicht zuletzt die Festansprache des ehemaligen Vier-Sterne-Generals und NATOKommandeurs Europa Mitte, Klaus Reinhardt, zu Pfingsten 2000 am Mittenwalder Gebirgsjägerdenkmal am Hohen Brendten: Die Gebirgstruppe der Bundeswehr sei „von Männern aufgebaut und geistig ausgerichtet, die als Kommandeure, als Kompaniechefs und Kompaniefeldwebel [...] uns die zeitlosen militärischen Werte wie Pflicht, Treue, Tapferkeit und Kameradschaft vorgelebt haben.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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