Ausgabe August 2008

Alte Kameraden, neue Elite

Das bayrische Mittenwald war auch dieses Jahr wieder Mittelpunkt revisionistischer Traditionspflege bei der Bundeswehr. An diesem Standort der schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebauten 1. Gebirgsdivision wird alljährlich zu Pfingsten eine Art Heldengedenktag der alten Kameraden zelebriert. Die Bundeswehr unterstützt diese Treffen eines „Kameradenkreises“ der Gebirgstruppe materiell, ideell und personell, obwohl sich dort bis hin zu bekennenden SS-Veteranen auch Leute versammeln, die eigentlich Zielobjekte des Verfassungsschutzes sein sollten. Soldaten des österreichischen Bundesheeres dürfen inzwischen am Mittenwalder Kameradentreff nicht mehr teilnehmen, jedenfalls nicht in Uniform: Er diene „auch zur Verherrlichung von Kriegsverbrechen“, befand Wiens Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Von welchem Geist die Versammlungen geprägt sind, demonstrierte nicht zuletzt die Festansprache des ehemaligen Vier-Sterne-Generals und NATOKommandeurs Europa Mitte, Klaus Reinhardt, zu Pfingsten 2000 am Mittenwalder Gebirgsjägerdenkmal am Hohen Brendten: Die Gebirgstruppe der Bundeswehr sei „von Männern aufgebaut und geistig ausgerichtet, die als Kommandeure, als Kompaniechefs und Kompaniefeldwebel [...] uns die zeitlosen militärischen Werte wie Pflicht, Treue, Tapferkeit und Kameradschaft vorgelebt haben.

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