Ausgabe Dezember 2008

Klasse schlägt Rasse

Die allgemeine Neigung westlicher Demokratien, Politik zu personalisieren, ist auch in amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen stets gegenwärtig. Die Wahl 2008 wurde jedoch von spezifischen Entwicklungen beeinflusst, die es einem – ungewöhnlich begabten – Kandidaten ermöglichten, eine vormals unüberwindliche Hürde zu nehmen.

Eine dieser Entwicklungen besteht darin, dass die Zahl der Menschen mit einem akademischen Abschluss in unserer Gesellschaft zugenommen hat. Und gebildetere Leute lassen sich eher vom Erbe der amerikanischen Aufklärung leiten als andere Bürgerinnen und Bürger. Allerdings schloss die Mehrheit, die sich für Senator Obama entschied, viele Menschen ohne Hochschulbildung ein, die davon überzeugt waren, dass er ihre Interessen und die Interessen des Landes am besten vertreten könne.

Es bedurfte allerdings beharrlicher Überzeugungsarbeit, die Wählerschaft für diese Auffassung zu gewinnen. Obamas Botschaft von der nationalen Einheit und dem gemeinsamen Ziel, die wohlkalkulierte und eher allgemein gehaltene Präsentation seiner Projekte mit den adäquaten rhetorischen Mitteln, schließlich die Methoden ihrer Vermittlung im direkten Kontakt mit den Adressaten – wie der Kandidat all dies in Einklang zu bringen vermochte, war schon beeindruckend.

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