Ausgabe Juli 2008

68 - Moral und Engagement

In der heutigen öffentlichen Wahrnehmung dominieren Krawalle, Straßenschlachten und Demonstrationen das Bild von „68“. Typisch dafür ist die von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtete Ausstellung im Berliner Amerika-Haus in der Hardenbergstraße – mit einem Wasserwerfer als monströser Ikone staatlicher Ordnungsmacht.
Natürlich hat es seinerzeit massive Proteste gegeben – aber als Ausnahmeerscheinungen und ohnmächtige Reaktionen auf polizeiliche Provokationen wie am 2. Juni 1967 oder auf das Attentat auf Rudi Dutschke wie die „Osterunruhen“ 1968. Der politische Alltag sah ganz anders aus: Da wurden studentische Versammlungen auf allen Ebenen und in allen Instituten und Fakultäten organisiert. Auf diesen wurden Forderungen erhoben nach Universitätsreformen, mehr Mitsprache für Studierende, nach eigenverantworteten, „selbstbestimmten“ Seminaren und der Gründung einer „Kritischen Universität“ innerhalb der FU mit selbst gewählten Dozenten und Professoren.
Daran mitzuarbeiten, mitzudiskutieren war nicht nur für mich, sondern für viele der damaligen politisch Engagierten ebenso selbstverständlich wie spannend.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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