Ausgabe März 2008

Lob der Uneindeutigkeit

Zeitzeugenschaft und Deutungskonflikte nach dem Ende der DDR

Als ich im April 1987 mit Lutz Niethammer und Alexander von Plato in die DDR ging, um dort lebensgeschichtliche Interviews mit der Aufbaugeneration des sozialistischen Staates durchzuführen, kamen wir in ein Land, dessen Kultur uns einerseits unheimlich vertraut, andererseits aber auch verwirrend unverständlich war. Schnell wurde uns klar, wie wenig wir über die Voraussetzungen der Erzählungen wussten, denen wir zuhörten.

Zu diesen Voraussetzungen gehörte, dass in der DDR eine bestimmte Form der Zeitzeugenschaft durchgesetzt worden war, die sicherstellen sollte, dass der öffentlich bestellte Zeitzeuge auch wirklich parteilich sprach, dass seine Erzählung also nicht in Widerspruch geriet zu offiziellen Darstellungen der Geschichte, und dass er sich darauf beschränkte, diese Darstellung durch persönliche Details beeindruckend, glaubwürdig und authentisch zu gestalten. Diejenigen unter unseren Interviewpartnern, die durch ihre berufliche Stellung und die damit verknüpfte SED-Mitgliedschaft lang andauernd politisch diszipliniert worden waren, hielten sich auch zunächst strikt an diese Regeln, indem sie von ihrer proletarischen Herkunft, den Schrecken des Krieges, ihrer Bekehrung zum Sozialismus und ihrem beruflichen Aufstieg, den sie der Partei zu verdanken hatten, sprachen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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